Kontakt

JOG-Bayern

co. Bayerischer Flüchtlingsrat
Augsburgerstr.13
80331 München
Tel: 089 26025299 (Mi 10-16 Uhr)
E-mail: bayern@jogspace.net

2 thoughts on “Kontakt”

  1. Hallo JOG-Team,
    wie/wo kann ich meine Solidatität mit den steikenden Jugendlichen erklären? Wie kann ich sie unterstützen?
    Danke für ein schnelles Feedback!
    andrea stickel

  2. In den ersten Stunden des 29. Februar erhängte sich in der bayrischen Flüchtlingsunterkunft in Würzburg ein Asylbewerber mit seinem Betttuch und beendete den Kampf, einen Weg zu finden, in Würde in einer menschlichen Gesellschaft leben zu können. Unglücklicherweise ist Mohamad Rahsepar nicht der Erste, der in seinem Herkunftsland eine menschenunwürdige Behandlung erdulden musste. Viele Flüchtlinge teilen derlei schreckliche Erlebnisse, was sie dazu veranlasst Asyl in anderen Ländern zu suchen. Dort angekommen, stoßen sie wiederum auf unübersichtliche Verhältnisse, kämpfen mit gesundheitlichen Problemen, erhalten nicht genügend Nahrung und werden mit schlechten hygienischen Bedingungen, wie auch einer insgesamt unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung konfrontiert. Die Situation der Flüchtlinge verschlechtert sich weiter durch aufkommende Depressionen, Heimweh und weitere Belastungen, was schlussendlich viele, vor allem die verletzbarsten unter ihnen, in den Suizid treibt.

    Wie können wir das verhindern? Die Antwort ist sicher nicht, unsere Wut hinunter zu schlucken und die tägliche Tyrannei zu akzeptieren; ebenso wenig könnte uns das Auftreten als Opfer in irgendeiner Art und Weise dabei helfen Aufmerksamkeit zu erwecken und/oder sporadische humanitäre und finanzielle Unterstützung zu bekommen. Gegen Missbrauch müssen wir, egal zu welcher Zeit oder an welchem Ort er stattfindet, für unsere Rechte eintreten und für diese kämpfen. Wir müssen die Tyrannei bloßstellen, die sich heuchlerisch hinter den sogenannten humanitären Behörden verbirgt und unser Bestes tun, um Wandel herbeizuführen. Der Asylsuchende, der sein Land verlassen muss und Asyl in Ländern sucht, in denen Menschenrechte gelten sollten, der dort aber nicht dementsprechend zu seinem Recht kommt, muss bestimmte Schritte unternehmen, um seine Würde wiederzuerlangen:

    Zuerst benötigen die Flüchtlinge eine gemeinsame Front, um sich selbst verteidigen zu können. Das gemeinsame Leben in den Unterkünften kann ihr verbindender Faktor sein, der nicht von den Herkunftsländern, Sprachen, Religionen oder Geschlechtern abhängig ist. Dadurch können sie sich auf ihren gemeinsamen Schmerz und Kampf konzentrieren, um sich, darauf aufbauend, gegenseitig dabei zu helfen, ihre Bedürfnisse zu stillen und ihre Rechte zu erlangen.

    Wir sind eine Gruppe von Flüchtlingen, die im Moment in Bayern untergebracht sind. Wir haben uns der Bewegung, die begonnen hat, verschrieben und glauben, dass wir, wenn wir uns dafür einsetzen, Flüchtlingsgruppen bilden können, die sich solidarisch zueinander verhalten und sich letztendlich ihre Rechte erkämpfen, selbst wenn dies nicht während unserer Zeit als Asylsuchende passiert. Solidarität unter allen Flüchtlingen aus verschiedenen Unterkünften auf der Grundlage von konkreten kurzfristigen und regionalen Zielen kann letztendlich zu einer wirklichen Veränderung der unmenschlichen Situation, der die meisten von ihnen in Bayern ausgesetzt sind, führen. Gleichwohl glauben wir, dass sobald wir unsere Bewegung gestartet und unsere ersten Schritte unternommen haben, genügend Raum für das Hinzustoßen von weiteren Asylbewerbern aus anderen Regionen vorhanden sein wird und dass wir sogar eine internationale Bewegung werden könnten.Wir rufen alle Flüchtlinge, Migranten, Studenten, politische Organisationen, Menschenrechtsaktivisten, Anti-Kriegs-Aktivisten und all jene, die versuchen eine bessere Welt aufzubauen, dazu auf sich mit uns zu solidarisieren. Ihre Unterstützung und Solidarität jeglicher Art und Weise kann dabei helfen diese Bewegung zu verbreiten. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass unser einziges Anliegen die Veränderung der schwierigen Situation der Asylsuchenden ist. Aber gleichzeitig glauben wir, dass diese Bewegung auf demselben Weg jeder progressiven Veränderung ist. Wir benötigen Ihre Unterstützung, um die schreckliche Situation der Asylsuchenden zu ändern.

    Wir sind eine Reihe von Iranern, Afghanen und Menschen anderer Nationalitäten, die als Asylsuchende in verschiedenen Flüchtlingscamps in Bayern leben. Bei unserer ersten kämpferischen Aktion haben wir, trotz des Drucks und der Drohungen, unsere wöchentlichen Essenspakete verweigert, um zu zeigen, dass wir keine Ruhe geben werden, bis wir unsere Ziele erreicht haben. Für unsere nächste Aktion planen wir eine kämpferische Demonstration, da wir glauben, dass die Straßen wie immer der beste Ort sind, um die Beziehung zu vielen Aktivisten und Unterstützern zu festigen und dies auch der beste Ort für uns ist, um unseren Bedürfnissen und Zielen Ausdruck verleihen zu können.

    n Anbetracht dessen haben sich Asylbewerber in Nürnberg und ihre Freunde dazu entschlossen zu demonstrieren, um die Forderungen von Asylbewerbern zu unterstützen, und um ihre Solidarität und Zusammenarbeit mit den anderen Asylbewerbern zu zeigen. Hiermit laden wir alle unsere Freunde und Unterstützer in Nürnberg und Umgebung dazu ein, an unserer Demonstration teilzunehmen. Um die Asylbewerber zu begleiten, erscheinen sie bitte an dem unten angegebenen Ort. Für mehr Informationen kontaktieren sie bitte Arash Nobakht unter 0176/71680864

    Ort: Lorenzkirche – Nürnberg
    Zeit: 15:00-17:00
    —————————-

    Heute am 13.02.2012 befinden wir als Asylsuchende uns in der gleichen Situation, in der sich Mohamad befand und die ihn in den Suizid trieb.

    Wir, eine Reihe von Asylsuchenden mit unterschiedlichen Nationalitäten, aus verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften in Bayern, verweigern als eine erste Reaktion darauf unsere minderwertigen Essenspakete. Obwohl Druck auf uns ausgeübt, uns sogar gedroht wird, werden wir trotzdem mit unserem Streik und unseren Beschwerden fortfahren, um zu zeigen, dass wir nicht eher ruhen, bis wir unsere Ziele erreicht haben.

    Wir versammeln uns hier auf der Straße und veranstalten eine Demonstration, denn wir glauben dass die Straße, wie immer, der beste Ort für eine Versammlung von betroffenen Menschen und derer, die sie dahingehend unterstützen, ist.
    Dies ist die beste Möglichkeit für uns, unsere Ziele und Wünsche zu äußern. Diese Bewegung kommt aus den Reihen der Flüchtlinge selbst.

    Wir versammeln uns hier, damit unsere Stimme vom Bayerischen Staat erhört wird.

    Unsere Forderungen stehen selbstverständlich den unveräußerlichen Menschenrechten nicht entgegen. Im weiteren werden wir unsere Forderungen ausführen. Wir werden nicht aufhören und aufgeben, bis wir eine zufriedenstellende Antwort seitens der verantwortlichen Personen erhalten. Die Verantwortlichen des Freistaats Bayern sollen uns das Versprechen geben, in kürzester Zeit lückenlos auf unsere Forderungen einzugehen:

    1. Der Prozess der Prüfung unserer Asylgesuche soll verkürzt werden, denn die Isolation eines Menschen in einem permanent wartenden und ungewissen Zustand, ist ein eindeutiger Fall von Folter!
    2. Die Gemeinschaftsunterkünfte, in denen zahlreiche Menschen untergebracht sind, sollen geschlossen werden! Wir müssen die Erlaubnis dafür haben eine Wohnung zu mieten, denn ein privater Wohnraum, Privatsphäre im allgemeinen und Frieden sind primäre Rechte eines jeden Menschen!
    3. Wir fordern eine Arbeitserlaubnis ein, damit wir einen Beruf ohne jegliche Einschränkungen ausüben können, denn jeder Mensch kann aufgrund seiner Talente und Spezialisierungen an der Gesellschaft teilhaben und, entgegen der öffentlichen Meinung, eine nützliche Person sein! Ein Asylsuchender ist keine faule Person, die nur als Konsument zu betrachten ist! Unabhängigkeit ist das Recht eines jeden Menschen!
    4. Wir fordern reguläre und standardisierte Kurse zum Erlernen der deutschen Sprache, denn die Sprache ist der Schlüssel zur Kommunikation und Integration in die Gesellschaft! Die Sprache ermöglicht es mit den Normen und Werten der Gesellschaft vertraut zu werden. Ohne sie wird ein Mensch nur noch weiter von ihr isoliert.
    5. Wir fordern die Aufhebung der Residenzpflicht! Auf einem Kontinent, in dem quasi keine Grenzen mehr vorhanden sind, ist eine solche Einschränkung sinnlos und verstößt gegen das Menschenrecht. Ein Flüchtling ist kein Krimineller, den man solch einer Beschränkung unterwerfen darf! Dass er außerhalb dieses Kreises nicht anerkannt wird, bedeutet, dass ihm grundlegende Menschenrechte vorenthalten werden.
    6. Wir fordern die Abschaffung des Systems der Essenspakete und, dass uns an Stelle dieser, wie es bereits in anderen deutschen Bundesländern der Fall ist, eine bestimmte Menge an Geld ausgehändigt wird! Die Selbstbestimmung bei der Essenswahl stellt ein grundlegendes Recht eines jeden Menschen dar.

    Wir fordern verschiedene Gruppen dazu auf, die Flüchtlinge zu unterstützen:
    Immigranten, Studierende, alle politische Gruppen, alle Menschenrechtsgruppen und alle anderen Menschen die für eine bessere Welt kämpfen. Wir versuchen unsere Bewegung in eine Richtung zu organisieren, die die schwierige Situation der Asylsuchenden verändert. Wir fordern Sie dazu auf, uns zu helfen, uns zu unterstützen und mit uns zu sein!

    Im Namen aller Flüchtlinge, die der Demonstration beiwohnen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Fighting for Bleiberecht since 2006